Titelbild ausblendenTitelbild einblenden

In der Krise standhaft bleiben – Konstruktiver Umgang in schwierigen Lebenssituationen

von vhs-Dozent Harald Gross

Es gibt Menschen, die scheint nichts aus der Bahn zu werfen. In stressigen Situationen bleiben sie völlig ruhig, von Schicksalsschlägen zeigen sie sich völlig unbeeindruckt. Wie durch einen unsichtbaren Schutz versehen, kommen sie unbeschadet selbst durch schwierigste Situationen des Lebens. Wo andere in Depressionen, Sucht oder Angstzustände verfallen, bleiben sie gesund. Diese psychische Widerstandsfähigkeit wird in der Psychologie als Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) bezeichnet.

Die Rede ist hier jedoch nicht von unsichtbaren Schutzschildern. Resilienz wird als eine Form von Aktivität beschrieben. Resiliente Menschen sind nicht die, die von einschneidenden Ereignissen unberührt bleiben, sondern diejenigen, denen es gelingt, jeglicher Form des Unglücks noch etwas Gutes abzugewinnen. Bei Ungewissheit neigen sie dazu, einen positiven Verlauf der Ereignisse anzunehmen und sind bereit, einen Beitrag zu leisten, um selbst etwas bewirken zu wollen. Dass die Coronakrise als ein plötzlich auftretendes und einschneidendes Phänomen, welches uns dauerhaft beeinträchtigen kann zu bezeichnen ist, steht außer Frage. Schulen, Kindergärten sowie eine Vielzahl an Geschäften und Betrieben sind seit Wochen geschlossen, soziale Kontakte wurden auf ein Mindestmaß reduziert und ältere Menschen drohen zu vereinsamen. Dazu kommen Sorgen um die Entwicklung der beruflichen Situation und Ängste über die persönliche Gesundheit.

Mit Angehörigen und Freunden in Kontakt bleiben

Der Hofheimer Diplom-Psychologe und Diplom-Volkswirt, Günther Mohr ist spezialisiert auf das Thema Resilienz und hat sich eingehend mit dieser Problematik beschäftigt. Welche Möglichkeiten der Psychologe zu einer erfolgreichen Bewältigung der bestehenden und kommender Herausforderungen sieht, beschreibt er anschaulich mit Hilfe eines sogenanntes Resilienzquadrates. Dieses Quadrat habe vier Ecken, bei denen es zum einen um externe und interne Ressourcen geht. Die beiden anderen Ecken des Viereckes beschreiben die Verbindung zwischen Körper und Geist sowie die Sinngebung der individuellen Existenz.
„Durch die Corona-Pandemie sind wir gezwungen, in Quarantäne zu gehen oder uns im häuslichen Bereich aufzuhalten. Eine externe Ressource bietet hier jedoch die Chance, mit unseren nahen Angehörigen in einen guten Kontakt zu kommen. Wir finden hier Zeit und Raum, um über Dinge zu sprechen, die sonst unberücksichtigt bleiben. Darüber hinaus bieten uns soziale Netzwerke die Möglichkeit, mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben”, so Mohr. Auch Sorgen und Ängste, die aus der bestehenden Krisensituation resultieren, können in diesem Zusammenhang geäußert und geteilt werden. Wie in den vergangenen Tagen zu
beobachten, halten sich viele Menschen außerhalb ihrer eigenen vier Wände auf. Es wird vermehrt gejoggt, gewalkt, mit dem Rad gefahren und spazieren gegangen. Hierin sieht Mohr einen weiteren Aspekt dieser Ressource: „Wir haben in Hofheim den Vorteil, dass wir von Waldgebieten umgeben sind. In den Wald zu gehen und die Natur mit ihrer positiver Wirkung auf uns zu geniessen, ist eine nicht zu vernachlässigende Möglichkeit im Hinblick auf unser Wohlergehen”.

„Es ist besser Deiche zu bauen, als zu warten, dass die Flut vernünftig wird”

Interne Ressourcen beinhalten zunächst die Frage, wie ich mit Problemen umgehe. Wichtig ist es hierbei, aktiv zu werden und etwas zu tun. „Es bringt nichts zu hoffen und zu warten, dass etwas vorbei geht. Denn es ist besser Deiche zu bauen, als zu warten, dass die Flut vernünftig wird,” formuliert Mohr die Notwendigkeit des individuellen Handelns in Krisensituationen. Beispielsweise gebe es etwas zu tun, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen. Geschäftsinhaber, deren Läden zurzeit geschlossen seien, können sich über ihre Situation und Erfahrungen austauschen. Kreativität und Einfallsreichtum sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Die eigene Wohnung zum Urlaubsort machen Die dritte Ecke des Resilienzquadrates setzt sich mit der Verbindung von Körper und Geist und deren Schulung auseinander. Sie beschreibt die Möglichkeit, Erfahrungen mit Meditation, Yoga oder anderen Übungen zur Achtsamkeit und Konzentration aufzufrischen, zu vertiefen oder auch neu zu erlernen. In der zusätzlich zur Verfügung stehenden Zeit können jedoch auch andere Bereiche der geistigen und körperlichen Entwicklung forciert werden. „Durch ein solches Training erfahren wir nicht nur die Stärkung von innerer Stabilität, es kann auch dabei hilfreich sein, festgefahrene Vorstellungen fallen zu lassen. Die Frustration über einen Urlaub, der nicht stattfinden kann überwinden und die eigene Wohnung zu einem Urlaubsort machen. Depressive und bedrückende Momente bezwingen und den Spaß am Leben behalten, können als angenehme Aspekte wahrgenommen werden”, beschreibt Mohr die Wirkung der dritten Ecke des Quadrates.

Was macht Sinn und was brauche ich wirklich

Der vierte und letzte Gesichtspunkt nimmt die Sinngebung des eigenen Lebens in den Fokus. Als interessante Frage bezeichnet der Psychologe die Situation in der wir uns jetzt befinden, welchen Sinn wir ihr geben und was sie für den einzelnen bedeutet. Die Möglichkeiten der Unterhaltung und Zerstreuung finden wir nicht mehr in gewohnter Weise vor. Viele Menschen finden sich im Homeoffice wieder, so mancher Urlaub fällt aus und die herkömmliche Freizeitbeschäftigung findet nur noch in einer abgespeckten Variante statt, wir sind auf uns zurückgeworfen. „Sinngebung ist ein aktiver Prozess, der in Zeiten der Individualisierung die Frage, für wen bin ich eigentlich da, mit sich bringt. Wir haben nun die Möglichkeit, unser Leben in einer gewissen Form von Reduziertheit und Bescheidenheit anzugehen”, so Mohr. Was macht Sinn, was brauche ich wirklich und welche Bedeutung gebe ich diesen einschneidenden Bindungen in meinem Leben seien hier die entscheidenden Fragen. In diesen Überlegungen liege auch die Möglichkeit, Gewohnheiten fallenzulassen, die nicht immer vorteilhaft für uns sind. Eine Reduzierung in verschiedenen Lebensbereichen hält Mohr für unausweichlich, denn dies werde uns bezüglich der Klimakrise noch bevorstehen. In der Coronakrise sieht der Psychologe eine erste Ankündigung dessen.

(c) Hofheimer Zeitung

vhs Main-Taunus-Kreis
Pfarrgasse 38, 65719 Hofheim
Tel.: 06192 9901-0
Fax: 06192 9901-45
E-Mail: info@vhs-mtk.de
zu den Öffnunsgzeiten »  

Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben
Frankfurter Straße 74, 65439 Flörsheim
Tel.: 06192 9901-80
Fax: 06192 9901-45
E-Mail: info@naturschutzhaus-mtk.de
zu den Öffnunsgzeiten »

Social Media

Wir sind zertifiziert