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01.04.20 | Gesellschaft | Verschwörungstheorien sind gerade wieder in aller Munde: Covid-19 nur eine Laborzüchtung? Und wer profitiert am Ende davon? Überall werden Verschwörungen gewittert (und getwittert), und viele dieser Phantasien bedienen sich einer ähnlichen Rhetorik. Zwei Bücher widmen sich diesem Thema.

Im Zuge der aktuellen Corona-Krise fällt es nicht schwer, auf Youtube Verschwörungstheorien zum Thema zu finden. Jedes Mal, wenn ein aufsehenerregendes Ereignis die Welt in Atem hält, geraten die Verschwörungsschwurbler ins Erzählen: JFK, die Mondlandungslüge und 9/11 sind nur die Speerspitze dieses Phänomens - die Liste der Verschwörungstheorien ist so lang, dass es sogar ein eigenes Lexikon hierzu gibt, das "Lexikon der Verschwörungstheorien".

Nun hat der Schweizer Journalist Roger Schawinski mit "Verschwörung!" ein Buch vorgelegt, in dem er sich mit Verschwörungstheoretikern wie dem Historiker Daniele Ganser (war 9/11 ein Inside-Job?), dem Ex-Fußballer David Icke (Reptiloiden beherrschen unsere Welt) oder dem Moderator Alex Jones (der Klimawandel ist ein Komplott) auseinandersetzt. Schawinski ist dabei polemisch, seinen Ärger über die argumentativen Salti der rhetorisch versierten Medienprofis kann er nicht verbergen.

Etwas gelassener geht Prof. Michael Butter, Amerikanist an der Eberhard Karls Universität Tübingen, an die Sache heran. Er stellt fest: Es gibt - natürlich - Verschwörungen, aber niemals in dem gigantischen Ausmaß, wie Verschwörungstheorien es üblicherweise behaupten. Sein Überblick über die Rhetorik einzelner Texte (Eva Herman) und die Geschichte berühmter Verschwörungsphantasien ("Die Protokolle der Weisen von Zion" 1903) ist spannend zu lesen und räumt auch mit einem Mythos auf: Der Glaube an Verschwörungen ist keineswegs ein aktuelles Phänomen, sondern fester Bestandteil aller Gesellschaften mit einem bestimmten Menschenbild und einer medialen Öffentlichkeit, über die sich solche Theorien verbreiten können. Dabei handelt es sich bei Verschwörungsgläubigkeit keineswegs um ein pathologisches Problem (etwa Paranoia), sondern um einen Prozess der Sinnstiftung.

Ist Roger Schawinski durchaus unterhaltsam in seiner Polemik, ist das Buch von Michael Butter doch um einiges aufschlussreicher - eine spannende Lektüre, die sich kritisch mit denen beschäftigt, die vorgeben, selbst kritisch zu sein.

 

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