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Heilpflanze des Jahres 2020

21.04.20 | Gesundheit | Am 16. Mai wären die Teilnehmer*innen der „Wild- und Heilkräuterführung“ mit unserer Dozentin Natascha Jaskulla auf eine Suche nach vergessenen Schätzen in Wald und Wiesen rund um Hofheim losgezogen. Nach dem Sammeln von heimischen Wildkräutern und Heilpflanzen werden diese in einem Praxisworkshop zu traditionellen Kräuterzubereitungen wie Tinkturen und Ölen sowie Leckereien aus der Wildkräuterküche verarbeitet. Natascha Jaskulla hat für ihre Teilnehmer*innen sowie alle Interessierten einen interessanten Beitrag zur Heilpflanze des Jahres 2020 verfasst.

Oft erkennen wir erst bei näherer Betrachtung die Schönheit und Perfektion gerade der Pflanzen, die uns bei Spaziergängen am Wegrand und sogar auf brachliegenden Grundstücken begegnen. Ich finde, auch die Wegwarte, die Heilpflanze des Jahres 2020, besticht uns mit ihrem etwas starren und rauhaarigen Stängel und den oft nur wenigen Blüten nicht sofort mit auffallender Schönheit. Erst näher betrachtet, entdecken wir hinreißende Details dieser Wildpflanze.

Wir nehmen zwischen Juli und September die meist leuchtend blauen, manchmal aber auch rosa oder weißen Blüten meist eher unbewusst wahr und ahnen nicht, welche Heilkraft diese Pflanze hat. Vielleicht erinnert sich mancher daran, dass die Wurzel der Wegwarte in früheren Zeiten als Kaffee-Ersatz verwendet wurde. Bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als sich der Bohnenkaffee immer weiter verbreitete, suchte man nach einer kostengünstigeren kaffeeähnlichen Variante – dem Zichorienkaffee. Aber das ist nicht die einzige Einsatzmöglichkeit in der Wildkräuterküche. Man kann z.B. die jungen, zarten Blätter als Salatbeigabe verwenden. Die Wegwarte, die auch im Volksmund „Wilder Endifi“ genannt wird, ist mit Endivien und Chicorée verwandt.

Insbesondere die Bitterstoffe, die in allen Pflanzenteilen enthalten sind, erfüllen wichtige Aufgaben: Sie wirken Appetit anregend und verdauungsfördernd, indem die Funktion von Galle und Leber angeregt wird, und stärkt somit nicht nur unseren Magen-Darm-Bereich, sondern den gesamten Organismus. Die Einnahme eines Tonikums aus Wegwarte, Pfefferminze und Kamille kann dyspeptische Beschwerden wie Völlegefühl und Sodbrennen lindern. Weitere sekundäre Pflanzenstoffe wirken cholesterinsenkend. Aber sowohl in der Volksheilkunde als auch in der Pharmakologie gibt es noch viele weitere Anwendungsgebiete für die Wegwarte.

Vorsicht ist für den geboten, der unter Gallensteinen leidet. In diesem Fall ist vor der Verwendung der Wegwarte, sei es in der Wildkräuterküche oder im Rahmen der Pflanzenheilkunde, ärztlicher Rat einzuholen. Der weiße Pflanzensaft, der in allen Teilen enthalten ist, ist nicht giftig, kann aber in seltenen Fällen zu allergischen Hautreaktionen führen, wie das bei vielen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler der Fall ist. 

Die Wegwarte wurde bereits im 4. Jahrtausend vor Christus in ägyptischen Papyrustexten erwähnt und ist seit dem Altertum eine beliebte Heilpflanze, die heute bedauerlicherweise nur noch wenig Anwendung findet. Sie wurde im Altertum und im Mittelalter als Zauberpflanze verwendet. Sie wurde für Liebeszauber angewandt, sollte aber auch Krieger unverwundbar machen. Die Wegwarte – auch Wegeleuchte oder Sonnenbraut genannt – ist neben anderen wilden Blumen Bestandteil der Kräuterbuschen, die zu Maria Himmelfahrt (15. August) gebunden werden. Man sagt, dass die in den Buschen enthaltenen Pflanzen zu dieser Zeit die größte Heilkraft besitzen.

Das folgende Märchen bezieht sich auf die einzelnen, in den Blattachseln sitzenden Blüten:

Die Geliebte eines jungen Ritters, der an einem Kreuzzug teilnahm, wartete am Wegrand vor dem Stadttor mit ihren Hofdamen auf seine Rückkehr. Doch der untreue Ritter kam nicht mehr zurück. Auch als sie schon nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich das Burgfräulein, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man diese kleine Gruppe noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich hatte der Himmel ein Einsehen. Das Burgfräulein wurde mit seinen Hofdamen in Blumen - Wegwarten - verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die unglückliche Geliebte in eine weiße Wegwarte verwandelt wurden.

Vielleicht begegnen wir auf einer meiner Wildkräuterführungen dieser wunderbaren Heilpflanze 2020.

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