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    Lektüretipp: "Unwiderstehlich"

    Erstellt von Dr. Gerrit Lungerhausen |

    "Unwiderstehlich" - Computerspiele ziehen uns in ihren Bann. Serien schauen wir im Binge-Modus, und unsere Smartphones sind uns näher als unsere Freunde. Adam Alter hat ein informatives Buch über suchterzeugende Technologien geschrieben.

    Wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass wir von einer Netflix-Folge in die nächste stolpern und im Serien-Bingewatching-Konsum die Kontrolle zu verlieren scheinen? Wie oft schauen Sie eigentlich täglich auf ihr Smartphone? Vielleicht sind es ja 3 Stunden pro Tag, damit wären Sie zumindest im Durchschnitt, wie eine Untersuchung von Tausenden Nutzern gezeigt hat. Wenn Sie es 40 Mal am Tag in die Hand nehmen, um E-Mails zu checken oder auf ein zartes Vibrieren zu reagieren, sind Sie voll im Trend. Aber haben Sie darüber noch die volle Selbstkontrolle, oder nutzen Sie Ihr Smartphone tatsächlich ganz und gar freiwillig über 20 Stunden in der Woche? Adam Alter, Professor an der New York University, geht in seinem aktuellen Buch einigen Technologien auf den Grund.

    Er berichtet von einem computerspielsüchtigen Studenten, der sich ganz und gar der virtuellen Realität von "World of Warcraft" verschrieben hatte und schließlich eine Therapie (reSTART) absolvieren musste, um sich von dem Spiel zu lösen: Der soziale Druck, den dieses Online-Game erzeugt, war so stark, dass er nach der Therapie rückfällig wurde und erst ein kompletter Wechsel seiner Umgebung zum Erfolg führte. Überhaupt ist dies ein wichtiger Punkt für Adam Alter: Im Zentrum steht der Gedanke, dass es nicht die Technologien allein sind (ebenso wie die Rauschmittel), die Abhängigkeiten aufrechterhalten, sondern die Verhaltensweisen und Rituale drumherum. Um einer Sucht zu entkommen, müssen wir den Umständen entfliehen, weil das gesamte Setting uns an die Suchterfahrung erinnert.

    Computerspiele, Online-Shopping (etwa mit Penny-Auktionen), Smartphone-Spiele (CandyCrush), Binge-Watching oder Fitness-Sucht - sämtliche Suchterfahrungen können durch technologische Innovationen (verbunden mit kommerziellen Interessen) verstärkt werden. Wir alle sind anfällig dafür, aber nicht wehrlos: So gibt Adam Alter in seinem abschließenden Kapitel ganz praktische Tipps: Bei Online-Film-Anbietern solle man etwa ausschalten, bevor die Cliffhanger-Sequenz beginnt (oder direkt nach dem Start der kommenden Folge). Ein sehr inspirierendes Buch, und wenn ich auf dem Spielplatz junge Eltern dabei beobachte, wie sie Whatsapp-Nachrichten lesen, während sie blindlings ihr Kind in der Schaukel vor- und zurückschwingen, denke ich, dass wir es lesen sollten.  


    Adam Alter: Unwiderstehlich. Der Aufstieg suchterzeugender Technologien und das Geschäft mit unserer Abhängigkeit. berlin Verlag 2018, 365 Seiten, HC, ISBN 978-3-8270-1294-4, 22,00 Euro.

    *Unsere Rezensionen spiegeln die Ansicht des jeweiligen Verfassers wider.

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