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    Lektüretipp: "Mainstream"

    Die traditionellen Medien haben es derzeit nicht leicht: Die sozialen Medien und diverse Online-Angebote sind eine große Konkurrenz zu den klassischen Informationsmedien. Können wir den Medien noch trauen? Journalismusforscher Uwe Krüger stellt sich diese Frage.

    Waren die Berichterstattungen über den Kosovokrieg oder die Orange Revolution in der Ukraine wirklich ausgewogen oder nicht tatsächlich parteiisch? Uwe Krüger sammelt Indizien, die nahelegen, dass "die Medien" (ein gewagter Sammelbegriff) nicht so objektiv sind, wie sie uns glauben machen. Krüger geht davon aus, dass auch Journalisten gewissen Trends folgen, und zwar insbesondere denjenigen, die von der Regierung geteilt werden. Sie folgen einem "Mainstream". Das liege auch daran, dass die meisten Journalisten ähnlichen Milieus entstammen, sie also selbst nicht die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Es geht also nicht um die verschwörerische Frage, ob die Medien staatdlich gelenkt seien, sondern nur darum, ob der Effekt einer homogenen Berichterstattung auch durch eine einheitliche Sozialisierung zustandekomme.

    Die Dissertation von Uwe Krüger, "Meinungsmacht" (2013), hat sich dem Thema bereits sehr viel akademischer gewidmet, ist aber ähnlich kontrovers diskutiert worden. Ist die Teilhabe von Journalisten an Organisationen, Verbänden und Gesellschaften automatisch ein Indiz für deren Voreingenommenheit? Krüger hat eine starke Meinung zu dem Thema, die man in dieser Ausprägung wirklich nicht teilen muss. Und ein Aspekt, der sehr kurz kommt, ist die Glaubwürdigkeitskrise der Presse als Folge der Entwicklung der sozialen Netzwerke. Es bleibt auffällig, dass die Schlagworte Lügen-, Lücken- oder Pinocchiopresse vom eher rechten Rand bemüht werden, und wer Mainstreampresse in seine Suchmaschine eingibt, findet sich inmitten nationalkonservativer Blogs und Russia Today wieder.

    Uwe Krüger: Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen. C.H. Beck 2016, Tb, ISBN 978-3406688515, 14,95 Euro.

    Gerrit Lungershausen

    *Unsere Rezensionen spiegeln die Ansicht nur des jeweiligen Verfassers, nicht wider.

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