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    Lektüretipp: "Das Internet muss weg"

    "Das Internet muss weg" – ausgerechnet Schlecky Silberstein (nein, der heißt nicht wirklich so), der sein Geld als Comedy-Autor und Blogger (hier) verdient, fordert mit dem provokanten Titel nicht weniger als das Unmögliche.

    So ganz ernst meint Silberstein (eigentlich: Christian Maria Brandes) das natürlich nicht, aber er sieht in den sozialen Medien zu allererst ein soziales Problem: Online-Sucht, Fake News, Hate Speech und die Kommunikation über Messenger stellen Herausforderungen an Gesellschaft, Politik und Schule. Die Beispiele von Silberstein, der ursprünglich aus der Werbebranche stammt, sind überzeugend: Die Datensammelei der großen Konzerne, allen voran Facebook, ist beunruhigend, die rasche Verbreitung von Fake News durch soziale Netzwerke ist ein politisches Problem, und die Tatsache, dass Journalisten mehr denn je an Klickzahlen ihrer Artikel gemessen werden, fördert keine objektive Berichterstattung. Das Buch ist stark in den Kapiteln, wo es sich Werbemaßnahmen widmet und unser Bewusstsein stärkt, dass nichts umsonst sei: "Wenn es nichts kostet, sind Sie das Produkt." Also Ihre Daten. Silberstein klärt über Clickbait auf (aufgeregte Headlines, die uns zum Klicken animieren) - dazu haben wir übrigens einen Vortrag (IHR GLAUBT NICHT, WIE UNGLAUBLICH DAS IST) an der vhs.

    Am Ende begeht Silberstein aber denkselben Fehler im Printformat, der er im Digitalen geißelt: Der Titel ist ein klassischer Clickbait-Trick, hinter dem sich anderes verbirgt als er verspricht, denn das Internet möchte er keineswegs abschaffen. Silberstein zeigt, dass man auch im Analogen durchaus populistisch sein kann: Man verzichtet auf Fußnoten, akkumuliert bersorgniserregende Befunde, bis die Sorgen zur Panik werden und wirft alles zusammen: böses Facebook, böse Werbung, böses Schulsystem (zu gute Noten für zu schlechte Schüler/innen), böse Automatisierung der Arbeitswelt etc.

    Es gilt noch immer: Wer alles zu analysieren versucht, analysiert letztlich gar nichts mehr. Schlecky Silberstein begeht diesen Fehler leider vor allem in den letzten Kapiteln seines eloquent geschriebenen Buches. Wer nach den Kapiteln über Werbemaßnahmen in sozialen Medien die Lektüre beendet, wird das Buch aber in guter Erinnerung behalten können.

    Schlecky Silberstein: Das Internet muss weg. Eine Abrechnung ... Knaus 2018, 271 Seiten, Tb, ISBN 978-3-8135-0794-2, 16,00 Euro

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