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    Lektüretipp: Einsamkeit - Die unerkannte Krankheit

    Erstellt von Dr. Gerrit Lungershausen |

    Einsamkeit als Volkskrankheit? Der Bestseller-Autor Manfred Spitzer setzt sich mit dem Alleinsein auseinander.

     

    Der deutsche Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Spitzer ist nicht bekannt für leise Töne - ganz im Gegenteil. Er hat diverse Bücher geschrieben und sich mit dem Lernen, mit der Digitalisierung und auch mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt. Seine provokanten Thesen zur Digitalisierung ("Digitale Demenz", "Cyberkrank"), die Online-Aktivitäten und insbesondere Smartphones sehr kritisch hinterfragen, sind in der Öffentlichkeit mit Faszination, aber auch mit Skepsis aufgenommen worden. Auch in seinem aktuellen Buch postuliert er eine Volkskrankheit - diesmal ist es Einsamkeit: "schmerzhaft, ansteckend, tödlich".

    Zunächst einmal sind Einsamkeit und Alleinsein zwei grundverschiedene Paar Schuhe: Alleinsein kann auch etwas Beruhigendes sein, währen das Gefühl von Einsamkeit etwas Schmerzhaftes hat. Es geht also nicht um das Fehlen von sozialen Beziehungen, sondern um die Diskrepanz zwischen den gewünschten Beziehungen und den tatsächlichen. So erklärt sich, dass man sich auch unter Menschen durchaus einsam fühlen kann.

    Spitzer führt aus, wie Einsamkeit als Stressfaktor funktioniert und so nicht nur unglücklich, sondern eben auch körperlich krank macht. Tatsächlich gibt es so etwas wie eine "Einsamkeitsforschung" etwa seit den 1970er Jahren, allerdings ist Spitzer weniger Experte in der Einsamkeitsforschung, sondern vielmehr in der Bestsellerproduktion. So wirken die Kapitel, in denen er sich verstärkt damit auseinandersetzt, wie Online-Medien und Einsamkeit zusammenwirken, etwas aufgesetzt und an seinen anderen Büchern orientiert.

    "Einsamkeit" ist alles andere als ein Ratgeber, sondern eine populärwissenschaftliche Publikation, in der verschiedene Studien herangezogen werden. Immer muss man im Kopf behalten, dass die Zuspitzungen des Autors zum Bestseller-Kalkül gehören: Die Dramatik gehört zum Geschäft: "Schmerzhaft. Ansteckend. Tödlich." Dabei findet die These, dass Einsamkeit als Krankheit zu verstehen sei, in der Einsamkeitsforschung sowohl Befürworter als auch Gegensprecher. 

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    Manfred Spitzer: Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit. Droemer 2018, 320 Seiten, gebunden, ISBN 978-3426276761, 19,99 Euro

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