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    Lektüretipp: Die Bombe

    Erstellt von Dr. Gerrit Lungershausen |

    Vor 75 Jahren zerstörten die Atombomben die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki und töteten direkt über 100.000 Menschen, von den Langzeitfolgen ganz abgesehen. In der Graphic Novel "Die Bombe" rekonstruieren Alcante, Bollée und Rodier die historischen Hintergründe.

     

    Als am 6. und 9. August 1945 die Atombomben "Little Boy" und "Fat Man" auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki fielen, beendeten den Zweiten Weltkrieg und läuteten das Zeitalter der atomaren Aufrüstung ein. Auf mehr als 450 Seiten dokumentieren Alcante, Bollée und Rodier die politisch-technologische Vorgeschichte.

    Die Autoren setzen mit dem ungarischen Physiker Leo Szilard ein, dessen Forschungen 1933/34 die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung der Atombombe schufen. Den Wettlauf zwischen deutschen, russischen und amerikanischen Wissenschaftlern und deren Ringen um die klügsten Köpfe schildern die Autoren mit sachlicher Distanz, dennoch aber mit viel Spannung. Dass dabei auch Opfer in Kauf genommen werden, zeigen sie anhand der amerikanischen Menschenversuche mit unfreiwilligen Probanden, die Plutonium-Kontaminationen ausgesetzt wurden.

    Der Comic bemüht sich um historische Genauigkeit und lässt es sich nicht nehmen, die Geschichte in zahlreichen Dialogen zu rekonstruieren. Zu den Widersprüchlichkeiten der Geschichte gehört auch, dass Szilard nach seiner Entdeckung versuchte, Wissenschaftler gegen die Nutzung der Atombombe zu mobilisieren.

    "Die Bombe" setzt sich mit dem dokumentarischen Ansatz, den die Autoren im Nachwort beschreiben, von dem Atombomben-Klassiker "Barfuß durch Hiroshima" des japanischen Mangaka Keiji Nakazawa (1973-87) ab, der die Geschichte viel persönlicher erzählt. "Die Bombe" erlaubt sich diverse Figuren, die immer wieder in den Fokurs geraten und ebenso schnell wieder verschwinden. Markant ist, dass auch das Uran, Kernbestandteil der amerikanischen Atombombe, eine Stimme erhält, wie etwa im Prolog: "Auf dieser Erde war ich zunächst nicht mehr als ein geschmolzenes Gestein unter vielen, vielleicht zahllosen anderen, dennoch hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass ich zu Großem bestimmt war." Es ist ein ungewöhnlicher Ansatz, dem Uran eine mythische Stimme zu verleihen, um damit

    Am Schluss erhält das Element wieder das Wort: "Glauben Sie, meine Geschichte ist zu Ende? Oder hat sie womöglich erst begonnen?" Der 6. und 9. August 1945 sind weder voraussetzungs- noch folgenlos gewesen.

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    Alcante, Laurent-Fréderic Bollée, Denis Rodier:Die Bombe. Die Entwicklung der Atombombe. Carlsen 2020, 472 Seiten, gebunden, ISBN 978-3551793607, 42,00 Euro

     

     

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